#1 Leben mit Duchenne – World Duchenne Day 2025

Shownotes

Erwachsenwerden ist nie einfach - und mit Duchenne bringt es noch einmal ganz eigene Herausforderungen mit sich. In dieser Folge von „Duchenne bewegt“ sprechen 3 junge Erwachsene, die mit Duchenne leben, über Fragen, die viele Betroffene beschäftigen: Schule, Freundschaften, Pubertät, erste Liebe. Wie finden Jugendliche und Erwachsene mit Duchenne ihren Platz im Leben? Wir sprechen über Selbstständigkeit, Abnabelung von den Eltern und die Frage: Zuhause bleiben oder eigene Wohnung? Außerdem geht es um Ausbildung, Studium, Beruf und den Alltag mit Assistenz.

Zum World Duchenne Awareness Day 2025 mit dem Motto „Family: The Heart of Care“ fragen wir uns: Ist Familie immer nur Halt und Unterstützung oder manchmal auch Herausforderung und Belastung?

Echte Geschichten, wertvolle Einblicke und ehrliche Perspektiven – eine Folge voller Inspiration für alle, die mit Duchenne leben oder mehr über das Erwachsenwerden mit der Erkrankung erfahren möchten.

Duchennebewegt #ITFPharma

Transkript anzeigen

S00: Duchenne bewegt, ein Podcast von ITF. Inspirierend, echt und mitten aus dem Leben.

S00: Hallo und herzlich willkommen zu unserem neuen Podcast Duchenne bewegt.

S00: Mein Name ist Philipp Lutz, ich bin Redakteur bei TAKEPART Media + Science und führe durch diese Folge.

S00: Heute möchte ich mit drei beeindruckenden Menschen sprechen, die alle etwas gemeinsam haben.

S00: Sie leben mit Duchenne-Muskeldystrophie.

S00: Aber statt nur über die Krankheit zu reden, geht es vor allem um ihre Geschichten, ihren Alltag, ihre Träume, kurz gesagt ums echte Leben.

S00: Und da steigen wir jetzt auch direkt ein.

S00: Ich begrüße ganz herzlich die heutigen drei Teilnehmer der ersten Folge mit der Bitte um eine kurze Vorstellung.

S00: Janik, möchtest du anfangen?

S01: Ich bin Janik, wohne bei Kiel in der Nähe und studiere auch Multimedia-Produktion, alles rund um Medien an der Fachhochschule.

S01: Und nebenbei habe ich jetzt gerade angefangen, beim NDR als freier Journalist zu arbeiten.

S00: Dann bist du auf jeden Fall top, auch schon hier im Multimedia-Thema drin.

S00: Dann gerne du, Finn.

S02: Ja, moin, ich bin Finn.

S02: Ich bin 21 Jahre alt und wohne derzeit in Hamburg und studiere nebenbei Stadtplanung.

S00: Und last but not least, Leon?

S03: Ja, ich bin Leon, bin 27 Jahre alt.

S03: Ich habe 2020 meine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten gemacht und wurde nach der Ausbildung übernommen.

S03: Und komme aus dem Raum 30.

S00: Perfekt, vielen Dank.

S00: Dann steigen wir auch direkt ein, nämlich die Pubertät als Thema und das Erwachsenwerden.

S00: Das sind ja ohnehin häufig herausfordernde Phasen im Leben und zwar für alle Beteiligten.

S00: Wie war das denn bei euch, also das Erwachsenwerden mit Duchenne und gerade auch in Bezug auf euer Umfeld,

S00: also in der Schule, Freundschaften, erste Liebe?

S00: Könnt ihr da mal so einen Einblick gewähren?

S00: Vielleicht auch wieder, Janik, wenn du anfängst?

S01: Ja, also aus meiner Schulzeit kann ich sagen, ich hatte da auf jeden Fall in der Grundschule schon meine Freunde,

S01: meine paar Freunde, die ich dann auch in der Mittelstufe hatte.

S01: In der Mittelstufe gab es natürlich auch zwei Jahre, die etwas schwieriger waren, wo man einen auch geärgert hat.

S01: Aber ansonsten war ich in einer Schule, in einer normalen Schule.

S01: Es gab eigentlich niemanden, der im Rollstuhl saß neben mir, den ich irgendwie da kennengelernt habe.

S01: Deswegen war es für mich dann von vornherein normal, in einer ganz normalen Klasse dabei zu sein.

S00: Und bei dir, Finn, was für Erfahrungen hast du speziell so in diesem Jugendalter gemacht?

S02: Also ich würde sagen, sehr gemischte.

S02: Ich bin auch auf eine normale Regelschule gegangen und da gab es dann doch schon größere Unterschiede

S02: auch zwischen Leuten, die ich seit der Grundschule kenne, für die Rollstuhl-Thema und so ganz normal war

S02: und natürlich neuen Leuten, die neu dazugekommen sind, die sich teilweise nicht ganz so gut, fand ich jedenfalls, verhalten haben.

S02: In solchen Momenten jedenfalls.

S02: Allerdings muss ich sagen, das Schwierige kam erst, sag ich jetzt mal, nach der Schule, kurz vom Abitur.

S02: Das war für mich jedenfalls die schwierigste Phase, weil man da auch irgendwie so die Selbstfindung und so,

S02: die Phase bei mir erst eingeleitet ist.

S02: Also ich würde sagen, ich bin relativ spät zu mehreren Sachen gekommen.

S02: Pubertät und was ich alles auch erlebt habe und so weiter, das kam dann auch erst mit der Zeit.

S00: Und kannst du da so ein Beispiel sagen, was du sagst, schwere Phase, also was war da für dich so das Herausforderndste,

S00: wenn man das mal so nennen darf?

S02: Ja, das ist ein bisschen schwierig zu sagen.

S02: Also einerseits, ja, doch dieses klassische Erwachsenwerden, diese Probleme, die jede Person wahrscheinlich hat in dem Alter

S02: und gleichzeitig aber auch Thema Behinderung, was natürlich immer mehr in den Fokus rückt,

S02: auch Sachen Aktivismus und so weiter.

S02: Und auch, dass Social Media vieles eröffnet hat, nochmal neue Einblicke.

S02: Das war erst mal sehr, sehr überfordernd, fand ich jedenfalls am Anfang.

S02: Aber ich denke, ich habe das Beste draus gemacht und bin auch froh darüber, dass ich den Weg so gegangen bin.

S00: Da kommen wir auch gleich nochmal zu sprechen, aber erst noch, Leon, auch dich mit einzubeziehen.

S00: Wie sind deine Erfahrungen so in der Jugendzeit? Was hast du da erlebt?

S03: Ich bin eigentlich auch ganz normal gestartet mit der Grundschule.

S03: Ich hatte ja einen normalen Freundeskreis.

S03: Und so Richtung weiterführende Schule gab es dann viele Probleme mit Mobbing und so weiter.

S03: Und da habe ich auch so ein bisschen den Spaß in der Schule verloren.

S03: Und erst so, ja, da gab es so wenig Verständnis von der Lehrerschaft.

S03: So nach dem Motto, damit wir es immer zu tun haben.

S03: Aber später hat man halt gesehen, dass es halt auch anders geht.

S03: Ich war dann erst auf einer Körperbehindertenschule.

S03: Das war so ein bisschen aufbauend für mich.

S03: Und später dann Richtung Abitur war auch alles ganz gesittet eigentlich.

S00: Und wie war das bei euch insgesamt?

S00: Ich meine, auch das ist ja in der Pubertät auch eine prägende Zeit.

S00: So diese Dates und erste Liebe und verliebt sein.

S00: Und wenn man dann auch mitbekommt, die Klassenkameradinnen und Klassenkameraden,

S00: dass es in diese Richtung sich bewegt.

S00: Und ich kann mir vorstellen, dass es für euch sicher oder wahrscheinlich schwieriger war,

S00: in Kontakt, wenn man dann in Kontakt zu kommen.

S00: Oder hattet ihr in diese Richtung gar keine Hindernisse oder Probleme?

S02: Also um ehrlich zu sein, hatte ich in der Zeit doch andere Probleme

S02: oder hatte andere Herausforderungen, an die ich gedacht habe.

S02: Deswegen war Dating-Thema nie so eine große Sache bei mir, muss ich sagen.

S02: Ich hatte jetzt auch keine Person, die irgendwie rausgestochen ist,

S02: irgendwie romantische Gefühle oder sowas.

S02: Das weiß ich nicht.

S02: Seit ich in Hamburg bin, habe ich mehr Freiheiten und größere Freiheiten.

S02: Und seitdem ist das auch ganz anders mittlerweile mit Dating und so weiter.

S02: Klar, immer noch herausfordernd, aber immerhin nicht unmöglich.

S02: Und das hat mich so ein bisschen nach vorne gebracht, diese Freiheit, allein zu wohnen und so weiter.

S02: Kann ich später vielleicht auch nochmal drauf eingehen.

S02: Aber ja, erst jetzt würde ich sagen, hat das Thema Dating überhaupt eine größere Gewichtung in meinem Leben.

S00: Und bei dir, Leon, hast du in diese Richtung Erfahrung, wo du sagst,

S00: dass es einfach schwieriger auch für dich war und auch damit zurechtzukommen?

S03: Ich sehe es jetzt auch wie Finn.

S03: Das war zu der Zeit nicht so ein Thema, aber grundsätzlich wäre es natürlich möglich gewesen.

S03: Aber da gibt es natürlich auch wieder mehrere Barrieren.

S03: Wenn es jetzt irgendwie ins Freibad geht oder so, wenn man was anderes unternimmt,

S03: dass dann wieder Barrieren vorhanden sind, dass man sowas gar nicht machen kann.

S00: Und Janik, bei dir, was sind da deine Erfahrungen?

S01: Also in der Grundschulzeit beispielsweise konnte ich noch laufen und vieles machen.

S01: Und da hatte ich hier auch dann ein Mädel, in das ich auch schon damals verknallt war,

S01: wo wir uns oft getroffen haben, irgendwie getan hatten, als würden wir heiraten und so.

S01: Und ich bin einer, ich verknalle mich also relativ schnell.

S01: Und das ist auch immer wieder passiert, in all den Jahren, auch in der Schulzeit vor allem.

S01: Da habe ich dann auf jeden Fall auch ein paar Freundschaften geschlossen.

S01: Aber so eine richtige Beziehung an sich hatte ich noch nicht.

S01: Weil ich da ja auch, ich glaube auch, dass da einige Barrieren zwischen sind.

S01: Und dann ab der siebten Klasse oder so, nachdem ich geärgert wurde, war auch mein Selbstvertrauen ein bisschen weg.

S01: Da habe ich mich dann auch nicht so viel getraut.

S01: Habe mir dann aber selber irgendwann, um da rauszukommen, Challenges gesetzt,

S01: dass ich auf der Straße Leute einfach anquatsche.

S01: Und dadurch habe ich dann Selbstbewusstsein geschöpft.

S01: Jetzt habe ich eigentlich gar keine Probleme und treffe mich mit einigen auch.

S00: Und in der Zeit, wo es dann also auch die Herausforderung, wenn man auch merkt,

S00: dass es dann, dass es auch teilweise schwierig ist,

S00: da habt ihr ja alle drei auch in den Vorgesprächen gesagt,

S00: dass das Thema Games, Videospiele eine wichtige Rolle bei euch einnimmt.

S00: Könnt ihr da nochmal so einen Einblick geben,

S00: was für einen Stellenwert diese Games, Videospiele für euch haben oder hatten auch in dieser Zeit?

S00: Finn, wenn du vielleicht beginnst?

S02: Kann ich sehr gerne machen.

S02: Ich würde sagen, Videogames sind auf jeden Fall eine coole Sache,

S02: weil man, unabhängig vom Wetter und ohne Barrieren eben gut in andere Welten eintauchen kann, sage ich immer.

S02: Das ist schon mal sehr, sehr hilfreich.

S02: Und gerade auch in Corona-Zeiten hat mich das auch so ein bisschen gerettet,

S02: mich mit anderen Leuten auch online zu connecten und so weiter.

S02: Das war schon eine coole Zeit.

S02: Mittlerweile muss ich sagen, hat Gaming nicht mehr einen ganz großen Stellenwert,

S02: seit ich in Hamburg wohne,

S02: weil es natürlich hier in Hamburg auch viele Dinge gibt, die ich unternehme.

S02: Und da habe ich meistens aber in den Abendstunden meistens immer noch Zeit zum Gaming.

S02: Und die Zeit genieße ich dann auch richtig.

S02: Und so würde ich das sagen.

S00: Und Leon, wie ist das für dich, dieser Games-Bereich?

S00: Was für einen Stellenwert hat der damals oder auch heute eingenommen?

S03: Der Bereich Gaming hat eigentlich schon immer einen Stellenwert bei mir,

S03: weil dort eben auch Sachen möglich sind, die man so nicht kann.

S03: Zum Beispiel Fußball spielen.

S03: Das ist ja FIFA auch ganz klassisch.

S03: Und schon früher in der Reha waren auch mehrere mit Muskeldystrophie.

S03: Da haben wir auch immer große Turniere veranstaltet, Fußball-Turniere.

S03: Und jetzt ist nicht mehr ganz so viel.

S03: Aber trotzdem ist es halt eine gute Möglichkeit, mit Freunden zu spielen,

S03: die weiter weg wohnen.

S03: Sogar der Freundeskreis auch aus der Reha.

S03: Weil deutschlandweit viele zusammenkommen.

S03: Und so hat man die Möglichkeit, sich immer zu treffen.

S00: Und Janik, bei dir kannst du das erzählen,

S00: auch speziell in diesem Jugendalter,

S00: was da auch dieser Games-Bereich,

S00: was für eine Wichtigkeit er da für dich hatte?

S01: Also die Games haben mich damals,

S01: die haben mich sehr rausgeholt aus allen möglichen negativen Gedanken.

S01: Dass man da auf jeden Fall sich frei bewegen kann,

S01: auch mit den Freunden halt Sachen machen kann,

S01: die man sonst halt nicht machen kann.

S01: Also mit den Zockfreunden konnte man halt immer dabei sein

S01: und immer mitmachen, egal was gemacht wurde.

S01: Und da ist kein Hindernis von wegen,

S01: da kannst du nicht mit, da kannst du nicht mitmachen.

S01: Hier habe ich nicht die Kraft dazu.

S01: Und dieses Gefühl hat mir auf jeden Fall viel gegeben.

S01: Auf jeden Fall auch viel,

S01: dass man nicht ausgeschlossen wird bei manchen Sachen

S01: aufgrund der Beeinträchtigung,

S01: aufgrund von Barrieren.

S00: Und ist es auch heute noch so, dass du sagst,

S00: das ist ein wichtiger Teil in deinem Leben?

S01: Also heutzutage ist es so,

S01: dass ich nicht mehr so viel Zeit habe fürs Spielen wie damals.

S01: Also wenn ich jetzt mal frei habe,

S01: dann kommt es noch dazu,

S01: dass ich mit meinen alten Zockfreunden mich zusammentreffe.

S01: und dann, ja, wir auch ein bisschen in die Vergangenheit reisen

S01: und ein bisschen auch da unseren Spaß noch haben

S01: und alles machen kann.

S01: Aber es ist weniger geworden,

S01: weil ich jetzt ja auch mehr im Studium und in meinem Job,

S01: also auch ehrlich gesagt meinen Traumjob,

S01: auch viel Spaß habe und da viel reinstecke.

S00: Und ich meine, dieses Erwachsenwerden mit Duchenne

S00: und auch die Pubertät und was wir gerade besprochen haben,

S00: das geht ja eigentlich auch einher.

S00: Und Finn, du hast es gerade schon angerissen,

S00: dass du jetzt auch alleine wohnst.

S00: Nämlich genau geht es einher mit dem Verhältnis zu den Eltern,

S00: die ja auch eine wichtige Rolle spielen.

S00: Was würdet ihr da sagen?

S00: Also so Stichwort abnabeln.

S00: Und ich meine, der World Duchenne Awareness Day 2025

S00: hat ja auch das Motto Family, the heart of care.

S00: Also sozusagen ist jetzt Familie immer nur Halt und Unterstützung

S00: oder eben auch manchmal Herausforderung, Belastung.

S00: Oder ich würde es formulieren, Familie, Fluch und Segen zugleich.

S00: Was würdet ihr da sagen?

S00: Weil ihr ja wahrscheinlich da doch auch noch ein ganz anderes Verhältnis

S00: einfach auch aufgrund schon von Duchenne zu euren Eltern habt.

S00: Könnt ihr da mal so einen Einblick geben,

S00: wie das bei euch ist, das Verhältnis?

S00: Finn, wenn du anfängst, du hast ja auch schon gesagt,

S00: du hast jetzt ganz andere Möglichkeiten,

S00: wo du alleine wohnst und ausgezogen bist von dem Haus deiner Eltern.

S02: Ja, kann ich gerne machen.

S02: Tatsächlich würde ich sagen,

S02: also ich habe auf jeden Fall ein sehr, sehr gutes Verhältnis.

S02: Meine Eltern waren auch sehr unterstützend.

S02: Haben mich auch dazu ermutigt,

S02: diesen Schritt überhaupt machen zu können, zu gehen,

S02: ohne so krasse Unterstützung wäre es wahrscheinlich auch gescheitert.

S02: Es war ein langer Prozess,

S02: sich dieses Selbstständige zu erarbeiten.

S02: Das ist ein Kampf, den ich ein bis zwei Jahre lang geführt habe,

S02: der jetzt endlich geklappt hat

S02: und immer noch auf wackeligen Beinen steht teilweise,

S02: auch so was Assistenz und so weiter betrifft.

S02: Da haben es meine Eltern auf jeden Fall sehr unterstützt.

S02: Bei mir war eher das Problem,

S02: dass ich sehr dörflich gewohnt habe.

S02: Mittlerweile ja Großstadt.

S02: Und auf dem Dörflichen gab es eben nicht diese Möglichkeiten,

S02: die ich hier in der Stadt habe,

S02: in Sachen Aktivitäten, draußen unterwegs sein und so weiter.

S02: Das nächste Dorf war bei uns drei Kilometer entfernt mit S-Bahn.

S02: Also wir hatten zwar auch ein großes Auto,

S02: aber man will ja auch nicht immer ständig seine Eltern fragen,

S02: ob sie einen fahren oder so.

S02: Deswegen war ich da, ich sage mal so,

S02: in meinem Bewegungsradius eingeschränkt

S02: und hatte auch gleichzeitig, um ehrlich zu sein,

S02: auch nicht so das große Interesse,

S02: selber loszutigern,

S02: weil eben auf dem Dorf wenig los ist.

S02: Und das hat sich jetzt aber, ich sage es mal,

S02: komplett geändert, gedreht.

S02: Jetzt, wo man die Freiheit hat,

S02: lernt man sie auch mehr zu schätzen,

S02: sage ich jetzt mal so.

S02: Also das merkt man dann doch schon,

S02: wenn man mal wieder für ein, zwei Wochen

S02: in die alte Heimat fährt oder wieder nach Hamburg,

S02: dass es da schon einen sehr großen Unterschied gibt.

S00: Und wie ist es bei euch, Leon und Janik?

S00: Ihr, wenn ich das richtig noch im Kopf habe,

S00: ihr wohnt ja noch bei den Eltern.

S00: Wenn man so ein enges Verhältnis dann auch hat

S00: und auch so eng zusammen ist,

S00: auch vielleicht dann doch stärker

S00: die Hilfe in Anspruch nehmen muss,

S00: wie ist es für euch dann diese Situation, Leon,

S00: wenn du vielleicht weitermachst?

S00: Also ist es für dich herausfordernd auch,

S00: also so dieses Fluch und Segen zugleich mit den Eltern,

S00: mit der Familie so eng eben Kontakt zu haben

S00: und so dieses Abnabeln,

S00: was ja eigentlich so die Regel ist,

S00: dann beim Erwachsenwerden,

S00: dass das in der Form so nicht geht?

S03: Ja, also manchmal macht man sich schon Gedanken,

S03: dass man irgendwie schon zu sehr

S03: eine Belastung manchmal ist.

S03: Aber das Gefühl wird dann eigentlich auch mal genommen,

S03: weil es schon ein guter,

S03: zumindest bei mir ein guter Zusammenhalt ist.

S03: Und jetzt gerade habe ich jetzt

S03: Freizeitassistenz neu bekommen

S03: und dadurch eben auch nochmal die Möglichkeit,

S03: öfter rauszukommen von zu Hause,

S03: dass meine Eltern auch ihre Ruhe haben.

S03: Genau.

S00: Und Janik, bei dir,

S00: du hast ja erzählt,

S00: dass du eine 18-Stunden-Assistenz hast

S00: und deine Mutter aber beispielsweise auch nachts

S00: dich drehen muss.

S00: Kannst du da nochmal einen Einblick geben,

S00: so dieses Verhältnis zu den Eltern,

S00: so dieses vielleicht Fluch und Segen,

S00: wenn das bei dir zutrifft,

S00: wie das bei euch der Fall ist?

S01: Ja, ich habe 18 Stunden bewilligt

S01: und das wird dann meistens so gemacht,

S01: dass am Ende 14 Nächte überbleiben.

S01: Das heißt, es sind meistens 14 Nächte,

S01: die meine Mutter mich nachts drehen muss,

S01: obwohl sie auch noch arbeiten muss selber.

S01: Und das ist natürlich auch für sie

S01: eine sehr große Belastung,

S01: wie ich es auch mitbekomme.

S01: Aber auch für mich ist es so,

S01: mit meinen Eltern,

S01: dass es dann auch manchmal

S01: zur Diskussion führt nachts,

S01: wie ich gedreht werden muss,

S01: ob es nicht schneller gehen kann oder so,

S01: dass es mich natürlich auch sehr belastet.

S01: Ich will eigentlich auch nur schlafen

S01: und gerne einmal gedreht werden.

S01: Aber ja, es kommen halt diese familiären Diskussionen

S01: in Verbindung mit Hilfeleistung,

S01: was das natürlich dann auch ein bisschen

S01: sehr anstrengend macht.

S01: Und deswegen mein Ziel ist es auch,

S01: nächstes Jahr auszuziehen,

S01: dass meine Mutter nicht so belastet wird

S01: und ich glaube auch,

S01: und ich glaube auch,

S01: dass es auch unserer Bindung guttun wird.

S00: Ist das auch für dich ein Ziel, Leon?

S03: Ja, die Überlegung war auf jeden Fall schon öfter da.

S03: Man muss halt gucken,

S03: ich wohne auch ziemlich dörflich

S03: und letztendlich zum einen das Thema Wohnungssuche,

S03: was dann sehr schwierig ist,

S03: überhaupt was barrierefreies zu finden.

S03: Und dann halt der Aufbau

S03: von einem guten Assistenzteam,

S03: weil es ist so schon schwer,

S03: für wenige Stunden Freizeitassistenz

S03: Personal zu finden.

S03: Und ich glaube,

S03: das wäre erstmal die größte Herausforderung.

S03: Aber bleibt auf jeden Fall ein Thema.

S00: Ganz spontan an euch gefragt.

S00: An welchen schönen Moment

S00: könnt ihr euch in der letzten Zeit erinnern

S00: oder an eine Situation,

S00: in der ihr gesagt habt,

S00: hey, das ist jetzt echt toll.

S00: Also was war das für eine Situation

S00: oder für ein Moment?

S00: So ganz spontan und das kann alles sein,

S00: was euch gerade in den Kopf kommt.

S00: Leon, magst du vielleicht anfangen?

S03: Ja, was mir in letzter Zeit

S03: sofort in den Sinn kommt,

S03: ist das Segelprojekt

S03: der Deutschen Muskelschwundhilfe.

S03: Und das war einfach

S03: ein großes Highlight in diesem Jahr,

S03: weil man da auch nochmal

S03: einen wirklich tollen Zusammenhalt gemerkt hat.

S03: Jetzt inzwischen

S03: in verschiedenen Krankheitsformen auch,

S03: weil viele sehr unterschiedlich sind,

S03: diese ganzen Krankheitsformen.

S03: Und dass trotzdem dieser Zusammenhalt da ist.

S00: Und Finn, bei dir?

S02: Ganz spontan würde ich jetzt sagen,

S02: ich war letzte Woche einfach mit einem guten Freund

S02: von mir essen und danach im Kino.

S02: Und das hat mir sehr viel Freude bereitet,

S02: auch weil ich am Anfang erstmal einen Schock gekriegt habe,

S02: dass plötzlich doch Stufen vor dem Kino waren,

S02: aber man dann doch eben durch so einen Hintergang

S02: sich da reinmogeln konnte.

S02: Dann war der Tag sozusagen wieder gerettet

S02: und da ist mir eigentlich wieder bewusst geworden,

S02: dass viele Sachen eigentlich möglich sind.

S02: Und man muss eigentlich nur meistens

S02: einmal um die Ecke schauen,

S02: ob es da die Möglichkeit gibt.

S02: Und die gab es da.

S00: Und das war ein guter Tag auf jeden Fall.

S00: Und Janik, bei dir,

S00: was würdest du ganz spontan sagen,

S00: war für dich in der letzten Zeit

S00: ein schöner Moment

S00: oder eine schöne Situation?

S01: Ich hatte jetzt viele in der letzten Zeit.

S01: Aber eins, was mir jetzt spontan raussticht,

S01: ist auf jeden Fall,

S01: dass ich vom NDR eine Arbeitsstelle bekommen habe.

S01: Dass ich jetzt da beim NDR meine Beiträge machen darf

S01: und auch schon von einigen erkannt wurde

S01: und gesagt wurde,

S01: wie toll das ist, was ich da mache.

S01: Das war, glaube ich, der Moment,

S01: wo ich dachte, geil,

S01: ja, ich bin richtig glücklich.

S00: Und was für Beiträge machst du da?

S01: Ganz unterschiedlich.

S01: Aber bisher habe ich drei Themen

S01: zur Inklusion gemacht.

S01: Einmal habe ich die Kieler Woche getestet.

S01: Das ist ja ein Segelfest hier in Kiel.

S01: Und dann auch noch die Strände getestet

S01: hier in der Umgebung.

S00: Hört sich spannend an.

S00: Vielen Dank,

S00: dass ich heute mit euch sprechen konnte

S00: und dass ihr auch so offen wart.

S00: Das war unser Gespräch

S00: mit drei richtig starken Persönlichkeiten.

S00: Ich hoffe,

S00: ihr habt genauso viel mitgenommen wie ich.

S00: Wenn es euch gefallen hat,

S00: teilt die Folge gerne,

S00: lasst ein Abo da

S00: und hört auch beim nächsten Mal wieder rein.

S00: Macht's gut

S00: und bis bald.

S00: Bis bald.

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